Deutschlands katholische Ritter – Ein Überblick über die Geschichte des Deutschritterordens

Deutschlands katholische Ritter – Ein Überblick über die Geschichte des Deutschritterordens

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Im Sommer 1991 unternahm ich eine zweiwöchige Reise durch Polen. Einer der beeindrucktesten Sehenswürdigkeiten auf der Tour war die mittelalterliche  Burg in Malbork am Fluss Nogat. Der riesige Gebäudekomplex gilt als größte Burg der Welt und ist das größte Backsteingebäude Europas. Warum wurde diese gigantische Festung, bekannter unter dem Namen ‚Marienburg‘, erbaut und von wem?

Die Marienburg wurde auf Veranlassung des Deutschen Ordens erbaut, dessen ursprünglicher Name ‚Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem‘ lautet. Der Deutschorden war einer der religiösen Ritterorden die im katholischen Europa zur Zeit des Mittelalters bestanden. Andere bekannte Ritterorden dieser Zeit waren beispielsweise der Templer- und der Johanniterorden. Der Deutschritterorden wurde wie die anderen militärischen Ordensgemeinschaften geründet, um die christlichen Pilger im Heiligen Land zu unterstützen und zu beschützen. Zu diesem Zweck errichteten sie Herbergen und Hospitäler.

Deutsche Pilger im Heiligen Land
Der Deutsche Orden wurde zum Ende des 12. Jahrhunderts in Akkon, einer im heutigen Israel liegenden Hafenstadt, gegründet. Die Wurzeln der Gemeinschaft reichen jedoch bis ins Jahr 1143 zurück, als Papst Coelestin II den Johannitern den Betrieb und die Verwaltung eines Hospitals für die deutschsprachigen Pilger übertrug. Obwohl das Haus dem Johanniterorden gehörte, ordnete der Papst an, dass der Prior und die Brüder des Domus Theutonicorum,(des ‚Deutschen Hauses‘) immer deutschsprachige Männer sein müssten. Damit war der Grundstein für eine deutsche Institution im Königreich von Jerusalem gelegt.
Nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187 entwickelten einige Kaufleute aus Lübeck und Bremen während der Belagerung Akkons die Idee eines Feldlazaretts. Dieses entwickelte sich zum Kern des zukünftigen Ordens, der 1192 von Papst Coelestin III anerkannt wurde.

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Entwicklung zu einem Ritterorden
Die ersten Brüder folgten der Augustinischen Ordensregel, 1198 wurde diese jedoch in eine, für einen Ritterorden besser geeignete Regel nach dem Vorbild der Templer ersetzt. Der Orden wurde jetzt von einem Großmeister geführt,  folgte päpstlichen Befehlen für einen erneuten Kreuzzug zur Rückeroberung Jerusalems und beteiligte sich an der Verteidigung des Heiligen Lands gegen die muslimischen Sarazenen. Unter Großmeister Hermann von Salza formte sich der Orden endgültig von einer Bruderschaft zur Unterstützung von Pilgern zu einem militärischen Ritterorden.
Kaiser Friedrich II erhob seinen Freund von Salza zum Rang des Reichsfürsten. Als sich Friedrich 1225 zum König Jerusalems krönte, eskortierten ihn die Ritter des Deutschen Ordens in die Grabeskirche. Trotzdem erreichten die Deutschritter im Heiligen Land nie so großes Ansehen wie die Templer oder die Johanniter, vielmehr richtete sich der Blick des Ordens bald Richtung Baltikum und Osteuropa. 

Die Ritter im Baltikum
Eine gute  Gelegenheit in Europa Fuß zu fassen, bot sich 1226 im Nordosten Polens, als der Herzog von Masowien, Konrad I, die Ritter des Deutschen Ordens um militärische Hilfe bat, um die Grenzen seines Herrschaftsgebiets gegen die heidnischen Prußen zu verteidigen. In den nächsten 50 Jahren verwickelte sich der Deutsche Orden in den blutigen Kampf um Land und verfolgten dabei alle Prußen die ungetauft blieben gnadenlos. Schließlich sicherte der Papst und das Heilige Römische Reich den Rittern Eigentumsrechte an dem eroberten Land zu, um dort einen Ordensstaat, ähnlich dem in Malta, zu errichten.
Die Ritter ermutigten und unterstützten Zuwanderung aus dem Heiligen Römischen Reich, um ihre, durch die Kriege stark dezimierte Bevölkerung, zu vergrößern. Die Siedler errichteten neue Städte und der Orden befestigte das Land mit Burgen, um die Angriffe der verbliebenen Prußen abzuwehren.
Da sie ihren Besitz so vorerst gesichert sahen, richteten die Ritter ihre Aufmerksamkeit Richtung Litauen und es dauerte 200 Jahre bis sie auch diese Region erobert und die heidnische Bevölkerung zum Christentum bekehrt hatten. Andere Eroberungen waren beispielsweise die Stadt Danzig und den Landstrich Pommern, welche das Ordensland mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verband. Mit der Einnahme Danzigs im Jahr 1307 beginnt eine neue Phase der Geschichte des Deutschen Ritterordens, der danach sein Ordenshauptquartier von Venedig auf die Burg Malbork verlegte.

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Der Verfall beginnt
Nach der schweren Niederlage in der Grunwalder Schlacht 1410 gegen eine vereinigte polnisch-litauische Armee begann der Verfall des Deutschen Ordens. Die Ritter verloren schnell an Besitz, militärischer Macht und Einfluss. Schließlich wurden die Mönche von den Prußen verjagt. 1525 konvertierte Großmeister Albert von Brandenburg zum Protestantismus und säkularisierte die verbliebenen Besitztümer außerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Nach dem Augsburger Frieden 1555 wurden die ersten lutherischen Mitglieder im Orden zugelassen, obwohl er größtenteils katholisch blieb.
Die militärische Geschichte der Deutschritter endete 1809, als Napoleon Bonaparte den Orden auflöste und dessen Besitz seinem Imperium hinzufügte. Außerhalb von Napoleons Einfluss, in Österreich, existierte der Orden weiter, wo er 1929 vollständig  in einen spirituellen  Orden umgewandelt wurde.

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Der Deutsche Orden im modernen Zeitalter
Hitler war kein Freund des Ordens. Nach der Annektierung Österreichs  durch Nazideutschland 1938 wurde der Orden unterdrückt. In Italien fanden die verbleibenden Mitglieder jedoch Zuflucht. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs wurde der Orden in Teilen Europas wiederhergestellt.
Heute ist der Orden in drei Zweige aufgeteilt, einer ist katholisch, zwei protestantisch welche in den Niederlanden und in Brandenburg angesiedelt sind. Der katholische Zweig  hat heute ca. 1000 Mitglieder, davon 100 Priester, 200 Ordensschwestern und 700 Laien. Die Priester begleiten den Orden spirituell und die Nonnen engagieren sich in Kranken- und Altenpflege. Die Mitglieder sind in Belgien, Österreich, Deutschland, Italien und in der Tschechischen Republik aktiv. Viele der Ordenspriester sorgen sich pastoral um Deutsche in nicht deutschsprachigen Ländern, besonders in Italien und Slowenien. So ist der Deutsche Orden wieder zu seiner ursprünglichen Aufgabe zurückgekehrt: Der Unterstützung und Hilfe Deutscher außerhalb ihres Heimatlandes.

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