Die jungen deutschen Christen, die der Macht gegenüber die Wahrheit sagten.

Die jungen deutschen Christen, die der Macht gegenüber die Wahrheit sagten.

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Von Teresa Limjoco, MD

Einer gebrauchte seinen Glauben als Schutzschild gegen die brutalen Gestapoverhöre; er sagte nichts. Ein anderer konvertierte auf dem Weg zur Guillotine. Alle waren vom heldenhaften Widerstand eines katholischen Bischofs inspiriert.

Heute würden sie wahrlich als sehr seltsam betrachtet. Was sollen wohl moderne Deutsche von Universitätsstudenten mit starkem christlichen Glauben  halten – viele geprägt von einer starken Anbindung an den  katholischen Glauben – welche die Regierung herausfordern? Das ist fast undenkbar.

In dieser Rückschau auf die heroischen jungen Deutschen von der Weiss Rose, die den Naziterror trotzend starben, legt Teresa Limjoco nun offen, woher sie diese Kraft nahmen. 

Es war in den dreißiger Jahren: sie waren jung, gut erzogen und gebildet, bürgerliche Mittelschicht. Sie diskutierten über Philosophie, sangen im Bach-Chor, genossen Musik, Dichtung, Kunst und Bücher. Sie hätten leicht mit diesem Leben fortfahren können; ihr Gewissen aber war erwacht, als sie in den dreißiger Jahren sahen, wie sich Deutschland der Nazibarbarei beugte.
 
 Die Innere Immigration verlassend – viele Intellektuelle wurden ebenfalls davon ergriffen – bildeten sie die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die es wagte, der Macht die Wahrheit zu sagen.

Das sollte sie das Leben kosten!

Der Macht die Wahrheit sagen

Enthusiastische Mitglieder der HJ als Teenies, wurden die Geschwister Scholl desillusioniert durch den antijüdischen Terror des Mobs, als in der Eifrige Mitglieder der Hitler-Jugend, wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl als Teenager zunehmend desillusioniert, als sie das anti-jüdischen  Rowdytum wahrnahmen.

In der Reichskristallnacht, am 9. November 1938, zeigte der Nationalsozialismus sein hässliches, rücksichtsloses Gesicht.

Die Desillusion schlug um in Empörung, als sie von den immer weiter eskalierenden, hasserfüllten Übergriffen gegen wehrlose Juden erfuhren.

1941 hörte Hans von einer Predigt, gehalten von Bischof v. Galen, Bischof von Münster,  in der er tapfer die Euthanasie von Behinderten und psychisch Kranken enthüllte. Dort fand Hans –  Medizinstudent, der als Sanitäter in einer Studentenkompanie an der Ostfront gedient hatte –  seine Inspiration.

Mit den Medizinstudenten Christoph Probst, Willi Graf und ihrem Freund Alexander Schmorell, bildete Hans die „Weiße Rose“, eine der wenigen Gruppen, die gegen Hitlerdeutschland das Wort erhoben. Seine Schwester Sophie und Professor Kurt Huber stießen zu ihnen.

Ihre Waffen? Flugblätter. Das erste, Mitte 1942, stiftete die Deutschen zum passiven Widerstand   gegen die Nazis an,  die sie eine Verantwortungslose Clique, welche die niedrigsten Instinkte freisetzen nannten.

Binnen acht Monaten verteilten sie sechs Flugblätter. Ihre Tätigkeit war jedoch von kurzer Dauer, die Scholls und Probst wurden bald verhaftet. Die „Weiße Rose“ wurde erbarmungslos zerstört.

Ihr sechstes und letztes Flugblatt wurde zwischen dem 16. und 18. Februar 1943,  eine besonders gefährliche Zeit, verschickt. Nach der verheerenden Niederlage von Stalingrad, hielt  Reichspropagandaminister Dr. Josef Göbbels eine ‚Verbrannte-Erde-Rede’ im Sportpalast, die den „Totalen Krieg“ ankündigte. (Zur gleichen Zeit, wie es der Zufall wollte, lag Sophie’s Verlobter, Leutnant Fritz Hartnagel,  in Stalingrad).

Als Schwachstellen für ihre Verletzbarkeit zu Tage traten,  fuhren die Nazis ihre ganze Brutalität auf. Noch mehr Todesurteile wurden gegen Widerständler verhängt. Doch  die Notwendigkeit diesem bösen Wese zu widerstehen, triumphierte über die Angst. Hans und Sophie wußten um das Als Schwachstellen für ihre Verletzbarkeit zu Tage traten, entwickelten die Nazis ihre ganze Brutalität weiter. Noch mehr Todesurteile wurden gegen Widerständler verhängt. Doch  die Notwendigkeit diesem bösen Wesen zu widerstehen, triumphierte über die Angst. Hans und Sophie wussten um das Risiko ihrer schicksalhaften  Entscheidung, die Flugblätter in der Universität zu verteilen. Es dauerte aber nicht lang, bis man sie anzeigte.

Die Nazis verfolgten und exekutierten die drei am 22. Februar 1943 mit ungewöhnlicher Schnelligkeit und Heimlichkeit, aus Angst davor, sie könnten zu Martyrern werden. Das Urteil sollte als Exempel dienen. Nach einem Scheinprozess wurden sie zum Tode durch die Guillotine wegen Hochverrat von Hitlers „Blut-Richter“ Dr. Roland Freisler verurteilt.

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Ihr Glaube

Obwohl ihr unglaublicher Mut sie später zu Filmhelden machte, haben heute die meisten Menschen keine Ahnung, dass diese außergewöhnlichen Taten der Scholls, Christoph Probsts und Willi Grafs auf einem festen Glauben an Gott fußte. Ihr viertes kühnes Flugblatt nannte Hitler den Anti-Christ, und erklärte, dass „einzig der Glaube Europa wiedererwecken kann, die Menschrechte etablieren und das Christentum wieder in neuem sichtbarem Glanz auf der Erde errichtet werden muss, in seiner Macht als Garant des Friedens.“

Die Mutter der Geschwister Scholl war lutheranische Diakonisse, die ihren Kindern aus der Bibel vorlas. Ihr Sohn Hans fand darüber hinaus Führung in katholischen Werken wie den Confessiones des Hl. Augustinus und in den Schriften von Paul Claudel. (3,6)  (Augustinus’ civita Dei fand auch Erwähnung im Flugblatt Nr. drei). Sophie besaß im KZ eine abgenutzte Kopie der Confessiones. Eine Zeile daraus klang besonders in ihr wider:   „Du hast uns auf Dich hin geschaffen, und unser Herz findet keine Ruhe bis es  ruht in Dir.“

Die deutschen Historiker Jakob Knab und Günther Biemer glauben heute, daß die Schriften von Cardinal Henry Newman die moralische, intellektuelle und geistliche Bildung von Hans und Sophie Scholl beeinflussten, einschließlich ihres Verständnisses des christlichen Gewissens.

Professor Carl Muth hatte sie in das Werk des Hl. Augustinus eingeführt, ebenso in die Schriften Cardinal Newmans durch ihren Freund Theodor Haecker. Haecker war Konvertit, er hat Newmans Schriften ins Deutsche übersetzt.  „Gewissen“, schrieb Newman, „ist die Stimme Gottes…“

Offensichtlich schätzte Sophie Newmans Ideen so, dass sie diese mit Frtiz Hartnagel teilte. Sie gab ihm 1942 zwei Bände mit Predigten von ihm.

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Christels Geschichte

Wie viele Deutsche heutzutage, wuchs Christoph Probst ohne Religion auf. Jedoch, als junger Erwachsener fühlte er eine Nähe zur Katholischen Kirche. Die Nachrichten über das Euthanasieprogramm und die Verfolgung der Juden empörten ihn. So schrieb er an seine Schwester Angelika: „ es ist keinem Menschen gegeben, egal unter welchen Umständen, Entscheidungen zu fällen, die nur Gott alleine zustehen. … jedes Leben ist von unschätzbarem Wert. Wir alle sind in der Liebe Gottes.“ 

Hinweise auf ein siebtes Flugblatt, das von Christel entworfen wurde, führten zu seiner Verhaftung durch die Nazis. Er bat darum, in die römisch katholische Kirche aufgenommen zu werden. Wie sich herausstellen sollte, passierte dies ausgerechnet am Tage seines Todes. Er wurde getauft und bekam die Erste Heilige Kommunion, danach sagte er: „ Jetzt wird mein Tod leicht und voll Freude sein“  Er hinterließ eine Frau, zwei kleine Kinder und ein neugeborenes Baby.

Willi Graf

Willis Geschichte

Als römisch katholischer Katholik fühlte er sehr tief die Verfolgung seiner Kirche durch die Nazis. Durch seinen Dienst als Sanitäter während der Invasion in Polen und in Rußland war Willi entsetzt über die Grausamkeiten, die von der Wehrmacht begangen wurden. Er konnte ein System nur ablehnen, das sich gegen seinen tiefsten Glauben richtete. Er wollte mithelfen bei den Flugblättern, aber im Juli 1943 holte ihn die Gestapo ab.

Er wurde im folgenden Oktober exekutiert; die Gestapo strengte sich an, mehr Informationen aus ihm heraus zu bekommen. Sein Glaube gab ihm die Kraft, den brutalen Verhören zu widerstehen, um die Freunde nicht zu verraten. (2)

An seinem letzten Tag schrieb er an seine Familie: „Heute werde ich dieses Leben verlassen und in die Ewigkeit eingehen. … Ihr werdet Kraft und Trost bei Gott  finden, das ist es, worum ich beten werde bis zum letzten Moment … umarmt alle und steht zusammen in Liebe und Hoffnung … Gottes Segen über uns, in IHM sind wir und leben wir …! (6)

Sophie sieht Naziterror und Tod ruhig entgegen

Alle, die ihre letzten Tage bezeugen, waren betroffen von ihrer Seelenkraft.  Sophies ruhige Standhaftigkeit beeindruckte ihren Verhörführer,  Robert Mohr, so dass er ihr eine goldene Brücke baute: sie sollte zugeben, dass sie missverstanden habe, was Nationalsozialismus bedeutete und dass sie bereue, was sie getan habe.

„Nein, niemals,“ forderte sie ihn heraus, „nicht ich, sondern Sie, Herr Mohr, haben die falsche Weltanschauung. Ich würde das Selbe wieder tun“.

Der Verhörführer selbst, ein altgedienter Führer von tausenden  solcher Verhöre, sagte, er habe noch niemanden gesehen, der so ruhig sein Schicksal angenommen habe, wie Sophie Scholl es tat. Sie war erst 21 Jahre alt.

Nicht Ideologie, sondern Glaube stützte sie

Siebzig Jahre nach ihren Tod, erstaunt dieser außergewöhnliche moralische Mut dieser jungen Menschen heute wieder. Es war keine politische Agenda, auch keine Ideologie, sondern grundsätzlicher menschlicher Anstand und lebensbejahender Glaube, gegründet auf festen religiösen Überzeugungen, auf  welche sich die Martyrer der „Weißen Rose“ stützten.

Hans war 24 Jahre alt, Sophie 21, Christoph 23 und Willi 25, als das Leben dieser mutigen jungen Menschen ausgelöscht wurde.

Möge ihr Mut fortleben und mehr Mut in uns hervorrufen!

Übersetzung: Franz Schönberger und Gordon Broxton-Price

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