Mariawald

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Fragen von Frau Stevens /Antworten von Abt Josef Vollberg OCSO, Mariawald (Germany)                                                                                                 (Februar 2014)

Die Zisterzienserregel gilt als die strengste Klosterregel der Kirche. Zisterzienser haben in der deutschen Landschaft ihre Spuren hinterlassen. (Wie die Mönche im wahrsten Sinne die deutsche Landschaft gestalteten)
 
Mariawald wurde bereits 4 Jahre vor Beginn der Fahrt von Columbus nach Amerika gegründet. Die Abtei liegt in malerische grüne Felder und Wälder gebettet, in der Nähe der deutschen Grenze zu Belgien und Frankreich.
 
Hier gilt wieder, durch eine besondere Erlaubnis Papst Benedikt XVI, die strenge Regel der Trappisten. Die Mönche feiern die traditionelle, lateinische Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus.
 
Abt Josef Vollberg OCSO, von Mariawald sprach mit Regina Magazin über seine Abtei, die strengen Regeln und die Anziehungskraft auf Katholiken, die zu den Mönchen kommen um zu beichten, die Messe mit zu feiern und das Leben eines Zisterziensermönches kennenzulernen.

1. Wie viele Jahre ist Mariawald ein Zisterzienserkloster? Wie viele Mönche gab es in der Blütezeit?

Die ersten Zisterzienser kamen am 4. April  1486 nach Mariawald, wo durch die Verehrung einer Pietà eine Wallfahrtsbewegung entstanden war. Dreimal mussten die Mönche das Kloster verlassen: für fast 60 Jahre infolge der Französischen Revolution, dann wieder im Kulturkampf unter Bismarck und schließlich durch die Nationalsozialisten. Aber immer wieder gewährte Gott einen Neuanfang. In der Blütezeit um das Jahr 1900 lebten im Kloster etwa 100 Mönche.

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2. Wie lange sind Sie schon da? Wie viele Mönche haben Sie jetzt?

Ich selbst bin seit 1986 [also genau 500 Jahre nach der Gründung] Mönch in Mariawald. Gegenwärtig gehören zu unserer Gemeinschaft 14 Mönche; 11 leben hier in Mariawald, zwei außerhalb als Einsiedler, und einer ist als Priester in der Schwestern-Abtei „Maria Frieden“ tätig.

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3. Wann haben Sie angefangen, den lateinischen Ritus zu benutzen? Wie viele Ihrer Mönche sind seitdem beigetreten?
Im Sommer 2008 gewährte der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. nach einer Privataudienz die Rückkehr der Abtei zu den älteren Regeln des Ordens und zur Feier der Heiligen Messe im Usus antiquor. Die Reform umzusetzen brauchte es natürlich etwas Zeit, denn etwas Verlorenes kann man nicht sogleich wiederherstellen. Seit 2009 wird bei uns die Heilige Messe regelmäßig nach den Büchern, die 1963 gültig waren, gefeiert.

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Seither melden sich immer wieder Interessenten, die unseren Weg kennenlernen und evt. beschreiten möchten. Zehn von ihnen sind nach langer Prüfung aufgenommen worden, also im Schnitt zwei pro Jahr, aber sieben von diesen haben das Kloster früher oder später wieder verlassen. Der Grund war häufig – im Gegensatz zur vorherigen Einschätzung – mangelnde Eignung und die Tatsache, dass sie sich den Anforderungen der strengen Regel nicht gewachsen fühlten. (Mehr dazu siehe unter Nr. 7.) Von den gebliebenen Dreien hat einer bereits die Ewige Profess abgelegt.

4. Ist es schwierig, die Deutschen Katholiken in der Gegend kennenzulernen? Wissen die Nachbarn, dass Sie den alten Ritus mit Chor feiern? Nehmen sie dort an der Messe teil?

Die Eifel, jene Mittelgebirgslandschaft, in der unsere Abtei liegt, ist eine ursprünglich katholische Gegend. Schwierigkeiten, Kontakt zu Katholiken zu haben, gibt es nicht. Mariawald ist durch die Reform weit über die Region hinaus bekannt.

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Das Hochamt am Sonntag ist meistens gut besucht, obwohl das Kloster sehr einsam liegt und in den benachbarten Orten und Dörfern die Gelegenheit zur Teilnahme am Gottesdienst besteht, dort natürlich im Novus Ordo. Es gibt offenbar eine beachtliche Anzahl von Gläubigen, die den überlieferten Ritus so sehr schätzen, dass sie einen weiten Weg nach Mariawald auf sich nehmen.

                                                                                                      
5. Ist es Ihnen gelungen, viele jungen Menschen zu gewinnen? Was bringt sie, meinen Sie, nach  Mariawald?

Ich glaube, dass unsere Gottesdienstteilnehmer die Struktur der Bevölkerung eher widerspiegeln, als es sonst in den Gemeinden meistens der Fall ist.

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In Mariawald sind nicht nur die Alten, hier sind nicht fast nur Frauen, hier sind auch die Männer zwischen 20 und 40, und sogar ein paar Kinder.  Zu sagen,  wir zögen „viele junge Leute“ an, wäre freilich übertrieben.

Warum kommen diese alle? Vielleicht erleben sie, dass die Ehrfurcht Gott gegenüber, dass die Teilnahme am Mysterium des Opfer- und Erlösungstodes Jesu hier in größerer Angemessenheit mitvollzogen werden kann als in manchen Fehlformen des Novus Ordo. Diese Menschen wollen nicht durch Animation abgelenkt werden; sie lieben die aller Subjektivität enthobene Strenge des Ritus, sie schätzen die im Schweigen und im Schwingen der Gregorianik sich vollziehende Hingabe.

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6. Spenden Sie dort den Laien die Sakramente, beispielsweise die Beichte?  

Da wir keine Pfarrgemeinde sind, beschränkt sich unsere Sakramentenspendung auf die Eucharistie und die Beichte. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen, vor allem Männer, eigens nach Mariawald kommen, um zu beichten. Deshalb gibt es hier nicht nur mehrere feste Beichtzeiten in der Woche, sondern fast zu jeder Zeit kann unser Prior zum Beichtehören gerufen werden.

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7. Können Sie einen Tag im Leben Ihrer Mönche beschreiben?              

Der Tag eines Mönchs in Mariawald beginnt um 2.30 Uhr in der Nacht, denn um 3.00 Uhr fängt der Gottesdienst an. Das Gebet durchdringt die Finsternis und führt aus der Nacht zum Licht des wiederkehrenden Christus. Nach den Vigilien, der ersten der Gebetszeiten, folgen Laudes und Prim, dann die Tageshoren Terz, Sext und Non sowie schließlich die Vesper und um 19.15 Uhr die Komplet, das Nachtgebet. Der Höhepunkt des Tages aber ist am Morgen die Feier des heiligen Messopfers. Indem der Mönch sich mit Christus dem himmlischen Vater zum Opfer darbringt, erfüllt er sein Gelübde, und gleichzeitig leistet er durch dieses Opfer und sein Beten einen stellvertretenden Dienst für die ganze Welt. – Die Zeit zwischen den Gottesdiensten verbringt der Trappist mit geistiger und körperlicher Arbeit, z. B. mit Studium, geistlicher Lektüre, Garten- oder Haushaltsarbeiten. Neben einer möglichen Mittagsruhe bleiben für den Schlaf in der Nacht nur knapp sieben Stunden. Das Essen ist einfach und fleischlos. Im immer gleichen Rhythmus seines Lebens übt sich der Mönch in die zeitlose Gegenwart Gottes ein.

 

 

 

 

 

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