Das zweite Rom

Das zweite Rom

Print Friendly, PDF & Email

Das christliche Trier in Deutschland

Trier ist eine alte Stadt nahe der Grenze zu Luxemburg und Frankreich. Bei der Einführungsmesse des damaligen Bischofs von Trier, Reinhard Marx, brachte Bischof Kampfhaus von Limburg etwas besonderes mit – den Bischofsstab des Heiligen Petrus. Der Metropolitan-Erzbischof von Köln übergab diesen Bischof Marx „als ein sichtbares Zeichen der Gemeinschaft der Kirche von Trier mit dem Heiligen Petrus und seinen Nachfolgern.“

Die Legende des Bischofsstabs Petri

von Christoph Pitsch

Natürlich lebte Petrus hunderte Jahre bevor Bischofsstäbe in Gebrauch kamen, doch das Geheimnis hinter diesem Stab ist eine faszinierende Lengede über die Gründung der Trierer Kirche.

Nach dieser Legende verließen die Hll. Eucharius und Valerius, beides Schüler des Petrus, zusammen mit dem hl. Maternus, Rom, um das Evangelium nördlich der Alpen zu verkünden. (Andere Legende sagen, sie seien als Priester, Diakon und Subdiakon gegangen.)

Als sie das heutige Elsass-Lothringen erreichten starb Maternus jedoch an Erschöpfung. Enttäuscht kehrten Eucharius und Valerius nach Rom zurück. Dort gab ihnen der Hl. Petrus seinen Hirtenstab und sandte sie zurück zu Maternus, wo sie ihn mit dem Stab wieder zum Leben erweckten. Eucharius und Valerius gingen nach Trier und gründeten dort eine christliche Gemeinde und Maternus in Köln.

Rome2009 006

Die wahre Geschichte von Trier

Wie viel davon stimmt? Tatsächlich war Eucharius nach mittelalterlichen Bischofslisten der erste Bischof von Trier um das Jahr 200. Valerius ist an zweiter Stelle genannt. Maternus, der erste Bischof von Köln, wird als dritter Bischof von Trier genannt. Aber die Quellen belegen auch, dass es bereits christliches Leben vor diesen drei Heiligen Bischöfen gab.

Augusta Treverorum (Trier) wurde im Jahr 30 v. Chr. Als Kaiserresidenz und Haupstadt der Provinz Gallia Begica gegründet. Es war die wichtigste Stadt nördlich der Alpen und auch heute gibt es viele alte Bauwerke zu bewundern – römische Badeanlagen, Arenen und sogar Weingüter, die bis in römische Zeiten zurückreichen. (Editor’s Note:  Eins der bestgehütesten Geheimnisse ist der unglaubliche Umfang und der römische Ruinen in Trier – neben Rom, gibt es sowas kein zweites Mal in Europa.

Rome2009 005

Trier war außerdem Schauplatz einer der grausamsten Christenverfolgungen, als unter Kaiser Diocletian und dem Trierer Gouverneur Rictovarus. Als Soldaten seiner römischen Legion sich weigerten Christus zu verleugnen wurde sie mit dem Schwert auf der noch heute erhaltenen Römerbrücke in Trier hingerichtet.

Legenden berichten, dass sich die Mosel blutrot fräbte und das Blut der Märtyrer kilometerweit davon floss – und dass Christen flussabwärts die Überreste aufsammelten. Diese werden heute unter den Kirchen St. Paulin, St. Maximin und St. Matthias aufbewahrt. Im Jahre 1990 entdeckte man bei Grabungen allein unter St. Maximin – heute in staatlicher Hand – überreste von 1300  Menschen.)

Trier 015

Das frühe christliche Trier

Nach der Promulgation des Edikts von Mailand unter Kaiser Konstantin, war das Christentum nicht länger illegal. Bis dahin lebte die Mutter Konstantins in Trier. (Mansche sagen sie hätte dort einen Konvent gegründet.) Dann kam die Konstantinische Wende, als der Kaiser selbst Christ wurde.

Wo also sollte man die erste christliche Basilika auf deutschem Boden bauen? Buchstäblich auf dem Fundament des Palastes der Hl. Helena.

Rome2009 010

Aus dieser alten Basilika ging die gegenwärtige Doppelkirchenanlage der „Kathedrale (von lat. „Sitz“) des Bischofs von Trier hervor. Heute steht die romanische Basilika neben einer wunderschönen gotischen Kirche in Form einer Rose – geweiht unserer Lieben Frau. Nebenbei die älteste gotische Kirche in Deutschland.

Die Benediktinerabtei von St. Matthias beherbergt die einzigen Apostelüberreste nördlich der Alpen. Die Abtei selbst wurde auf dem Land eines römischen Senators aus Trier gebaut. Vor einigen Jahrzehnten, enthüllte ein erstaunlicher archäologischer Fund die Knochen von hunderten Christen um einen römischen Sarkophag, der über Jahrhunderte tief unter der Abtei lag.

Trier 017

Die Hl. Helena und der Heilige Rock

Die Legende besagt, dass Helena das Kreuz und den Leibrock Christi während einer Pilgerfahrt nach Jerusalem auffand. Sie war schon eine betagte Dame als sie diese Reise unternahm und sowohl die Grabeskirche in Jerusalem, als auch die Geburtskirche in Bethlehem wurden auf ihre Anordnung hin gebaut.

Heute wird der Heilige Rock in der Kathedrale von Trier aufbewahrt – eine der wichtigsten Reliquien unseres Herrn.

Trier 021

Trier in Mitten des Sturms

Es war eine Zeit von stürmischen kirchenpolitischen und theologischen Kontroversen. Ein Mann namens Arius aus Ägypten predigte, dass der Sohn Gottes nicht von Ewigkeit her existierte, sondern geschaffen wurde und damit von Gott, dem Vater getrennt ist – die erste Häresie, die das Christentum ins Wanken brachte.

(Arianismus ist eine Debatte, die wir auch heute noch sehen können, wenn Menschen fragen, ob Jesus Christus „Gott“ war oder bloß ein sozialer Reformer.)

Diese Kontroverse nahm weit größere Dimensionen an und endete schließlich im Konzil von Nicäa (325 n. Chr.), wo auch das Große Glaubensbekenntnis entstand, welches wir in jeder Messe beten. Zwei der führenden Bischöfe gegen Arius waren Kirchevater Athanasius von Alexandria – einer der vier Kirchenlehrer – und Bischof Paulinus. Der hl. Paulinus war zu einer bestimmten Zeit der einzige Bischof, der nicht mit der wuchernden arianischen Häresie konform ging. Für dieses glaubensvolle Zeugnis wurde er von Trier in die Türkei verbannt, wo er schließlich auch starb.

Welche Rolle spielte Trier? Nach dem Konzil, auf welchem die Lehren des Arius zurückgewiesen und das Credo von den Bischöfen akzeptiert wurde, fiel Athanasius in Ungnade mit Kaiser Konstantin und wurde nach Trier verbannt, wo Paulinus Bischof war.

Zur gleichen Zeit beteiligte sich auch ein anderer Kirchvater an der Auseinandersetzung mit Arius – Ambrosius von Mailand. Her ist bekannt als der Verfasser des Te Deums und als derjenige, der den Hl. Augustinus taufte. Eine Legende besagt, dass als Augustinus getauft werden sollte, dieser die erste Zeile intonierte und Ambrosius antwortete. Heutzutage wird das Te Deum am Ende jeden Jahres in jeder katholischen Kirche gesungen. Ambrosius wurde in Trier als Sohn eines römischen Präfekten geboren.

photo(9)

Das zweite Rom

Wir sehen, dass die Kirche von Trier in der Geschichte eine wichtige Rolle in der Verkündigung und Verteidigung des Glaubens spielte – buchstäblich ein zweites Rom. Die vielen Ruinen der alten römischen Zivilisation umgeben uns in Trier und die Weitergabe dieser Zivilisation durch den Glauben in die heutige Zeit begegnet uns mit jedem Schritt durch die alte Stadt.

All diese Symbpole, Reliqiuen und Legenden haben eines gemeinsam: sie zeigen den Gläubigen was unsere Herkunft ist. Wir in Trier waren die ersten Christen auf deutschen Grund, Das ist unser Stolz und unsere Verantwortung.

Comments

comments

No Comments

Post A Comment