Sankt Bonifatius – Apostel der Deutschen

Sankt Bonifatius – Apostel der Deutschen

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by Michael Durnan

Sankt Bonifatius, ein englischer Mönch und der erste Erzbischof von Mainz, ist bekannt als Apostel der Deutschen. Er ist auch der Schutzheilige Deutschlands und man sagt von ihm, er habe sich den Weihnachtsbaum ausgedacht.

Sankt Bonifatius wurde im Jahr 675 im angelsächsischen Königreich Wessex geboren und auf den Namen Wynfrid getauft. Wessex bestand aus dem äußeren Westen und Süden des heutigen England. Zum 7. Jahrhundert hin hatten St. Augustine von Canterbury und die von der Lindisfarne-Insel kommenden Mönche St. Aidan und St. Cuthbert die Angelsachsen zum christlichen Glauben bekehrt. Wynfrid war einer der Nutznießer dieses frühen Erblühens der christlichen Kultur und des Lernens.

Die Angelsachsen waren ein germanischer Kriegerstamm, der aus dem nördlichen Europa nach Britannien übersiedelte, nachdem die Römer dieses 410 n. Chr. verlassen hatten. Das Christentum veränderte sie dahingehend, dass es die wilderen Aspekte ihrer heidnischen Kultur beruhigte und befriedete, und ihre ehrenhaften und tugendhaften Qualitäten ansprach.

Kultur und Bildung florierten im christlich-angelsächsischen England unter dem Schutz und der Leitung der neu konvertierten christlichen Könige und der Mönche vin Lindisfarne und Jarrow.

Das Leben eines brillanten Gelehrten
Wynfrid trat im Alter von etwa sieben Jahren in das klösterliche Leben ein, weil ihn die klösterlichen Ideale und die Aussicht auf eine erstklassige Ausbildung ansprachen. Die Mönche erkannten sein akademisches und intellektuelles Potential, und er schien für ein Leben als brillanter Gelehrter vorbestimmt.
Er wurde ein Lehrer der lateinischen Grammatik, schrieb mehrere Abhandlungen und auch lateinische Poesie.

Sein Talent wurde schließlich besonders gewürdigt, als er zum Leiter der Abteischule ernannt wurde. Wynfrids Ruf als hervorragender Lehrer und Gelehrter verband sich mit der Popularität bei seinen Schülern, von denen viele lange Wege auf sich nahmen, um unter seiner Anleitung zu lernen.

Als er etwa 30 Jahre alt war, wurde Wynfrid zum Priester ordiniert. Auch wenn er liebend gerne unterrichtete, so fühlte er sich berufen, als Missionalr zu den heidnischen Völkern Zentraleuropas zu reisen, um ihnen das Licht Christi zu bringen, wissend, dass seine eigenen Vorfahren noch 100 Jahre zuvor in heidnischer Dunkelheit gelebt hatten.

Im Jahre 716 erteilte ihm der Abt Winbert die Erlaubnis zu reisen, und er machte sich auf nach Friesland in den Niederlanden.

Nach seiner Ankunft sah er sich dem starken Widerstand seitens des Stammesfürsten gegenüber, weswegen seine Aufgabe, das Evangelium Christi zu verbreiten, scheiterte. Er kehrte nach Wessex zurück; jedoch verlor er nicht den Mut.

Was der Papst zu Bonifatius sagte
Zwei Jahre später reiste er nach Rom, wo er eine Audienz bei Papst Gregor II. (715-731) hatte.
In einem Brief an seine Schüler schrieb er, dass der Papst ihn mit “einem Lächeln und einem Blick voller Freundlichkeit” empfangen habe und dass er mit ihm in den folgenden Tagen lange und wichtige Gespräche geführt habe, sich über seinen neuen Namen Bonifatius austauschte und ihm in offiziellen Briefen die Mission übertrug, den germanischen Völkern das Evangelium zu predigen.

Ermuntert, inspiriert und getröstet durch die Unterstützung des Papstes und seinen weisen Rat, reiste Bonifatius in die germanischen Länder, und predigte und kämpfte gegen die heidnischen Bräuche, wie Menschenopfer für die nordischen Götter Odin und Thor, wie er auch die grundsätzlichen Ideale christlicher Moral und Ethik verbreitete.

Als der Erzbischof Bonifatius 723 zu Weihnachten aus Rom nach Germanien zurückkehrte, sah er, dass sich die Germanen wieder ihren alten heidnischen Bräuchen zugewandt hatten, und die Wintersonnenwende damit feiern wollten, dass sie eine junge Person unter Odins heiliger Eiche opfern wollten. Er fällte die Eiche, um so die Macht des Chistentums über die der heidnischen Götter zu demonstrieren. Diese historisch verbürgte Begebenheit ist der Ursprung der Legende um den Weihnachtsbaum. Der Legende gemäß ersetzte Bonifatius die gefällte Eiche durch eine Fichte, die er im Gewirr aus Eichenzweigen fand.

Aus seinem tiefen Pflichtgefühl und großem Einsatz heraus schrieb Bonifatius in einem seiner Briefe:

“Wir sind vereint im Kampf für den Tag des Herrn, denn Leid und Elend sind gekommen. Wir sind keine stummen Hunde, schweigsame Beobachter oder Söldner, die vor Wölfen fliehen. Ganz im Gegenteil: Wir sind fleißige Hirten, die über Christi Herde wachen, die den Herrschern und dem einfachen Volk Gottes, den Armen und den Reichen, Gottes Willen predigen ob gelegen oder ungelegen.”

Mit seinem unermüdlichen Einsatz, seiner Hartnäckigkeit und seinem Organisationstalent erreichte Bonifatius Erstaunliches bei den Heiden, mit denen er zusammentraf. Der Papst belohnte ihn daraufhin damit, dass er ihn zum Bischof für ganz Germanien weihte.

Er führte seine Bemühungen mit dem gleichen Einsatz und der gleichen Hingabe fort und dehnte seine Mission auch auf das Land der Gallier aus. Der Nachfolger Gregors II, Gregor III, ernannte ihn zum Erzbischof aller germanischen Völker. Erzbischof Bonifatius gründete auch Abteien für Mönche und Nonnen, um sie zu Leuchtfeuern der Erziehung und Kultur in den germanischen Landen zu machen, so wie sie es auch im angelsächsischen England gewesen waren. Das 743 gegründete Kloster Fulda war das Herz und Epizentrum für die Ausbreitung religiöser Spiritualität und Kultur.

Der Tod des Bonifatius
Im Alter von 80 Jahren, er hatte 52 Mönche um sich geschart, schrieb Bonifatius an den Bischof Lull von Mainz, als er sich daran machte, seine gescheiterte Mission bei den Friesen wieder aufzunehmen:

“Ich möchte das Ziel dieser Reise zum Abschluss bringen; in keinster Weise kann ich mir den Wunsch aufzubrechen versagen. Der Tag meines Endes ist nah und die Zeit meines Todes nähert sich. Wenn ich meinen sterblichen Körper abwerfe, werde ich unsterblichen Lohn erlangen. Du, mein Sohn, sollst die Menschen unablässig aus dem Labyrinth der Verfehlung führen, den Bau des Klosters zu Fulda beenden, der bereits begonnen hat, und meine sterblichen Überreste dort zur Ruhe betten.”

Am 5. Juni 754 begann Bonifatius gerade in Dokkum in den heutigen Niederlanden eine Messe zu feiern, als er von einer Gruppe Heiden attackiert wurde. Er verbot seinen Gefährten Vergeltung zu üben und sagte:

“Hört auf zu kämpfen, gebt den Krieg auf, meine Söhne, denn als Zeugen der Schrift sollten wir nicht Auge um Auge, sondern Gut für Böse geben. Das ist der lang erwartete Tag; die Zeit unseres Endes ist gekommen, habt Mut im Herrn!”

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WO BONIFACIUS ERMORDERT WAR: Dokkum in den heutigen Niederlanden

Dies waren seine letzten Worte, bevor seine Angreifer ihn niederstreckten. Seine Überreste wurden in das Kloster Fulda gebracht, wo er ein Begräbnis bekam, wie es einem Märtyrer und Heiligen gebührt.

Seitdem ist der Hl. Bonifatius als „Apostel der Deutschen“ bekannt.

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