Spätsommer an der Mosel: eine Hochzeit im alten Ritus

Spätsommer an der Mosel: eine Hochzeit im alten Ritus

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Q. Susanne, erzähl uns doch ein wenig über Herr und Frau Michels.
A. Jens (27) und ich (24) haben uns ein Jahr vor unserer Hochzeit verlobt. Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit. Unter der Woche leben wir in Mainz, wo wir beide studieren. Ich arbeite dort außerdem als Werkstudentin in einem jungen Startupunternehmen. Die Wochenenden verbringen wir in unserem Heimatort Cochem. Mein Mann Jens arbeitet dort als Klavierlehrer und Pianist.

 

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Q. Wie kamst du zur alten Messe?
A. Im Jahr 2008 besuchte ich zum ersten Mal eine alte Messe. Ich hatte schon ein wenig über einen Priester im Nachbarort gehört, der begonnen hatte, die Frühmesse an den Sonntagen im alten Ritus zu zelebrieren, war aber nie dort gewesen. Einige Tage nachdem wir zusammengekommen waren lud Jens mich ein, ihn zu begleiten. Ich erinnere mich, dass mich vor allem die Stille beeindruckte, und die Feierlichkeit der doch so schlichten Messe berührte mich. Ich glaube, dass ich dort zum ersten Mal im Leben das Gefühl hatte, wirklich beten zu können. Bald begann ich, mehr über den außerordentlichen Ritus zu lernen und ich lerne immer noch dazu.

 

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Q. Wie reagierten eure Gäste auf eure Hochzeitsmesse?
A. Einige von ihnen kannten die lateinische Messe noch aus ihrer Kindheit oder dem frühen Erwachsenenalter. Manche hatten seitdem nie mehr eine solche Messe besucht. Unter ihnen waren auch meine Großeltern. Als er erfuhr, dass ich mit Jens regelmäßig die Messe im außerordentlichen Ritus besuchte, schenkte mir mein Großvater seinen alten Schott. Er freute sich sehr über die Nachricht, dass wir im alten Ritus getraut werden wollten. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen – er schwärmt er immer noch davon. Einige der Gäste erlebten zum ersten Mal eine Trauung im außerordentlichen Ritus oder waren noch nie in den Genuss eines Levitenamts gekommen. Für die meisten aber, vor allem Freunde und Verwandte in unserem Alter, war die Messe im außerordentlichen Ritus völliges Neuland. Die einen waren neugierig, die anderen skeptisch – letztere schienen überrascht, dass die Messe weder seltsam noch langweilig war. Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Fast alle Gäste empfanden die Messe als besonders feierlich und bewegend.

 

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Bei der Planung wurde uns früh klar, dass sich nicht jeder mit dem Gedanken anfreunden kann, dass Messen im alten Ritus gefeiert werden – hier stießen wir auch innerhalb der Kirche auf heftigen Gegenwind.Auch deshalb sind wir so dankbar für all die Hilfe, die uns während der Planung zuteil wurde und die wir auch jetzt als Ehepaar erfahren dürfen. Eine große Hilfe war Pater Dr. Georg Fischer OT, Jens' ehemaliger Dozent an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der momentan in Brasilien lebt und arbeitet. Er begann, den alten Ritus zu lernen, als wir ihn baten, uns zu trauen. Schon lange spielte er mit dem Gedanken – und nun hatte er die passende Motivation. Wir sind ihm zutiefst dankbar für das, was er für uns getan hat. Unser Fels in der Brandung war Daniel Kretschmar, der Kaplan in Salzburg ist und in unserer Messe das Diakonamt übernahm. Jens und er studierten zusammen katholische Theologie – Jens wird Lehrer, Daniel ist nun Priester. Er wurde im außerordentlichen Ritus geweiht und brachte viel Erfahrung mit. Wenn es besonders stressig wurde, erinnerte er uns, dass wir nur vertrauen mussten. Am Morgen der Hochzeit hörte er unsere Beichten.

 

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Q. Gab es Überraschungen?
A. Pater Daniel Bartels aus Trier war der Subdiakon – er musste kurzfristig einspringen. Wir haben in an Palmsonntag 2013 kennengelernt. Die Gemeinde brauchte einen Organisten, mein Mann erklärte sich bereit, die Messe zu begleiten. Seitdem fahren wir – soweit es uns möglich ist – sonntags nach Trier. Wir wurden dort von einer liebenswürdigen Gemeinde und einem warmherzigen Priester aufgenommen. Nachdem der Priester, der in der Nähe von Cochem die alte Messe gehalten hatte, eine neue Gemeinde in der Schweiz übernahm, haben wir nun endlich das Gefühl, ein neues spirituelles Zuhause gefunden zu haben.  Die Messdiener aus der Gemeinde in Trier nahmen sich Zeit, um mit P. Bartels noch einmal für das levitierte Hochamt zu üben und brachten auch ihre Familien zum Brautamt mit. Viele andere Mitglieder der Gemeinde kamen ebenfalls – welch schönes Geschenk!

 

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Q. Gab es besondere Herausforderungen?
A. In vielen Kirchen, bzw. Sakristeien, fehlt heute leider die Ausstattung für Messen im außerordentlichen Ritus, beispielsweise Gewänder für ein levitiertes Hochamt. Auch hier waren wir auf fremde Hilfe angewiesen, die wir überall bekommen haben. Da auch nicht viele Organisten genug Erfahrung mit alten Messen haben, mussten wir improvisieren: Einer der Trauzeugen, Jens' Freund und ehemaliger Klavierlehrer, konnte selbstverständlich während der Trauung selbst nicht an der Orgel sitzen, weshalb sich dankenswerterweise ein weiterer Organist bereiterklärte, den ersten Teil der Messe zu begleiten. Natürlich gibt es heute nicht immer und überall die perfekten Bedingungen für eine Messe im außerordentlichen Ritus. Mit dem nötigen Gottvertrauen und der Hilfe vieler Menschen, die die Schönheit der Messe im außerordentlichen Ritus schon entdeckt haben, wird eine würdige und feierliche Messe zu Ehren Gottes möglich.
Wie viele Menschen hatten nie die Chance, eine solche Messe zu besuchen? Wer sie einmal erleben durfte, erkennt, welch tiefe Wahrheit in ihr steckt.

 Fotos: Karin Scheuer, Cochem (Deutschland)

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